Klaus Holetschek, Michael Hofmann, Winfried Bausback, Tanja Schorer-Dremel, Martin Wagle, Gerhard Hopp, Wolfgang Fackler, Kerstin Schreyer, Alex Dorow, Stefan Ebner, Karl Freller, Sebastian Friesinger, Martina Gießübel, Andreas Kaufmann, Benjamin Miskowitsch, Martin Mittag, Walter Nussel, Stephan Oetzinger, Jenny Schack, Josef Schmid, Bernhard Seidenath, Steffen Vogel, Peter Wachler, Florian Streibl, Felix Locke, Markus Saller, Martin Behringer, Martin Brunnhuber, Susann Enders, Stefan Frühbeißer, Johann Groß, Wolfgang Hauber, Bernhard Heinisch, Alexander Hold, Marina Jakob, Nikolaus Kraus, Josef Lausch, Christian Lindinger, Rainer Ludwig, Ulrike Müller, Michael Piazolo, Bernhard Pohl, Julian Preidl, Anton Rittel, Martin Rosenberger, Martin Scharf, Werner Schießl, Gabi Schmidt, Johanna Schramm, Roswitha Toso, Roland Weigert, Jutta Widmann, Benno Zierer, Felix von Zobel, Thomas Zöller
Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich auf Bundes- und europäischer Ebene dafür einzusetzen, Bayern als zentralen europäischen Raumfahrtstandort weiter zu stärken und einen bayerischen Standort perspektivisch als Außenstelle der Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA) - zukünftig European Union Space Services Agency (EUSSA) - zu etablieren.
Dabei soll insbesondere geprüft und gegenüber Bund sowie Europäischer Union aktiv dafür geworben werden,
1. Bayern als Standort für künftige EUSPA-Aufgaben insbesondere in den Bereichen sichere Satellitenkommunikation, Satellitennavigation, Erdbeobachtung, Resilienz und Weltraumsicherheit in enger Abstimmung mit dem Bund zu positionieren,
2. die vorhandenen Akteure rund um das Galileo-Kontrollzentrum, das DLR-Galileo-Kompetenzzentrum sowie die bayerischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Luft- und Raumfahrt noch stärker in die europäischen Weltraumprogramme einzubinden.
Bayern zählt zu den führenden Luft- und Raumfahrtstandorten Europas. Mit Oberpfaffenhofen verfügt der Freistaat bereits heute über einen zentralen Standort des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo: Dort befindet sich eines der beiden Galileo-Kontrollzentren Europas. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer engeren Anbindung Bayerns an die EUSPA. Eine EUSPA-Außenstelle wäre der nächste konsequente Schritt, um Bayerns Rolle als europäische Weltraum- und Technologieregion weiter auszubauen. Sowohl der Galileo-Standort Oberpfaffenhofen als auch die Raumfahrtstandorte Taufkirchen und Ottobrunn bieten hervorragende Voraussetzungen, um zu einem europäischen EUSPA-Standort bzw. zu einem Standort zusätzlicher EUSPA-Aufgaben weiterentwickelt zu werden.
Die EUSPA übernimmt zentrale Aufgaben im europäischen Weltraumprogramm, insbesondere bei Galileo und EGNOS, Copernicus, GOVSATCOM, künftig IRIS² sowie beim EU-SST-Front-Desk im Bereich Weltraumlage. Gerade weil diese Aufgaben weiter wachsen, sieht der Verordnungsvorschlag COM(2026) 152 final vor, dass neben dem Hauptsitz in Prag zusätzliche Außenstellen eingerichtet und Personal an wichtigen Zentren der europäischen Weltrauminfrastruktur eingesetzt werden kann.
Im kommenden Mehrjährigen Finanzrahmen wird die Agentur zudem deutlich gestärkt. Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Haushaltsrahmen steigt von bislang 525,7 Mio. Euro auf 979,6 Mio. Euro. Bayern sollte mit einem eigenen Standort davon profitieren.
Damit übernimmt die Agentur eine Schlüsselrolle für Europas technologische Souveränität, Krisenfestigkeit und Sicherheitsarchitektur und wird ihr Aufgabengebiet erweitern. Es ist für Bayern die Chance, mit seiner bestehenden Galileo-Infrastruktur institutionell stärker in diese europäische Standortstruktur eingebunden zu werden.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen, hybrider Bedrohungen und wachsender Abhängigkeiten bei kritischer Infrastruktur gewinnen sichere Satellitennavigation, Erdbeobachtung und resiliente Kommunikationssysteme erheblich an Bedeutung. Raumfahrt ist heute eine strategische Schlüsseltechnologie - für Bevölkerungsschutz, Verteidigung, Mobilität, Landwirtschaft, Klima- und Katastrophenschutz ebenso wie für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität Europas. Daher ist es wichtig, dass diese Kompetenzen in Bayern weiterentwickelt und institutionell stärker verankert werden.
Bayern bietet hierfür hervorragende Voraussetzungen. Neben den bestehenden Galileo-Strukturen verfügt der Freistaat über ein einzigartiges Ökosystem aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen. Mit Akteuren wie dem DLR, der Technischen Universität München, Airbus Defence and Space sowie zahlreichen mittelständischen Unternehmen und Start-Ups ist Bayern der bedeutendste Luft- und Raumfahrtstandort Deutschlands. Ein institutioneller Aufbau einer EUSPA-Außenstelle in Bayern wäre daher nicht nur für den Freistaat selbst von großer Bedeutung und für die EUSPA sinnvoll für die regelmäßige Kooperation, sondern auch europapolitisch konsequent.
Eine EUSPA-Außenstelle in Bayern würde die bereits vorhandenen europäischen Raumfahrtstrukturen in Oberpfaffenhofen weiter stärken, zusätzliche Wertschöpfung und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen sowie Europas Handlungsfähigkeit im Weltraum nachhaltig ausbauen.
Der Freistaat sollte deshalb gemeinsam mit dem Bund gegenüber der Europäischen Kommission aktiv darauf hinwirken, Oberpfaffenhofen als bestehenden Galileo-Standort konsequent weiterzuentwickeln und als Außenstelle der EUSPA für neu anstehende EUSPA-Aufgaben zu etablieren. Europas Raumfahrt braucht starke und verlässliche Standorte, wofür Bayern in besonderer Weise prädestiniert ist.
