Bernhard Seidenath, Tanja Schorer-Dremel, Andrea Behr, Thorsten Freudenberger, Stefan Meyer, Martin Mittag, Helmut Schnotz, Sascha Schnürer, Carolina Trautner, Florian Streibl, Felix Locke, Susann Enders, Martin Behringer, Martin Brunnhuber, Stefan Frühbeißer, Johann Groß, Wolfgang Hauber, Bernhard Heinisch, Alexander Hold, Marina Jakob, Nikolaus Kraus, Josef Lausch, Christian Lindinger, Rainer Ludwig, Ulrike Müller, Michael Piazolo, Bernhard Pohl, Julian Preidl, Anton Rittel, Martin Rosenberger, Markus Saller, Martin Scharf, Werner Schießl, Gabi Schmidt, Johanna Schramm, Roswitha Toso, Roland Weigert, Jutta Widmann, Benno Zierer, Felix von Zobel, Thomas Zöller
Der Landtag appelliert an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und den Krankenkassen auf Bundesebene die Überführung folgender Projekte in die Regelversorgung aktiv zu begleiten und die hierfür notwendigen Finanzierungsstrukturen zu schaffen:
- das Projekt U+E - Screening auf peripartale Depression soll nach Auslaufen der Innovationsfondsförderung Ende 2027 dauerhaft in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung überführt werden;
- die U0 als Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft soll als eigenständiges Beratungsangebot für werdende Eltern dauerhaft in die Regelversorgung aufgenommen werden;
- das in Bayern entwickelte und seit Oktober 2024 für Versicherte von mehr als 40 gesetzlichen Betriebskrankenkassen eingeführte gynäkologische Vorsorge- und Beratungsangebot für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren - Mädchensprechstunde -M1- - soll flächendeckend von allen gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Gesundheit beginnt nicht erst beim Kinderarzt - sie wird vor der Geburt grundgelegt, in den ersten Lebenstagen und -wochen, und umfasst auch die sensible Phase der Pubertät. Frühe, geschlechtersensible Prävention ist die wirksamste und nachhaltigste Form der Gesundheitsförderung: Sie spart Leid und langfristig erhebliche Kosten im Gesundheitssystem.
Rund 10 bis 15 Prozent aller Mütter und 5 bis 10 Prozent aller Väter leiden nach der Geburt an einer peripartalen Depression. Unbehandelt gefährdet sie nicht nur das Wohlbefinden der Eltern, sondern auch die frühkindliche Bindung und damit die gesamte weitere Entwicklung des Kindes. Das Projekt U+E des BVKJ und des BKK Landesverbands Bayern setzt hier an: Mit der validierten Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) werden Betroffene frühzeitig erkannt und unterstützt - niedrigschwellig, evidenzbasiert und nahtlos in die bestehende Vorsorge integriert. Die Förderung durch den Innovationsfonds des G-BA läuft Ende 2027 aus. Dieses wirksame Angebot darf danach nicht wegfallen. Bayern muss sich auf Bundesebene für seine dauerhafte Aufnahme in den GKV-Leistungskatalog einsetzen.
Die U0 berät werdende Eltern noch vor der Geburt zu Themen wie sicherer Schlafumgebung, Impfungen und Vitamin-D-Prophylaxe - und wirkt damit aktiv Fehlinformationen entgegen. Sie stärkt nicht nur die Gesundheit des Neugeborenen, sondern auch die Kompetenz und das Vertrauen der Eltern. Auch dieses Angebot verdient eine dauerhafte Verankerung in der Regelversorgung.
Bayern hat mit der Mädchensprechstunde M1 ein bundesweit beachtetes Modell entwickelt. Seit Oktober 2024 bietet das Angebot - entstanden durch einen Bundesvertrag zwischen KBV, BVF und BKK Landesverband Bayern - Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren einen vertraulichen, altersgerechten Zugang zu gynäkologischer Beratung und Prävention. Themen sind Pubertät, sexuelle Gesundheit, Verhütung sowie Impflücken bei HPV und Hepatitis B. Eine körperliche Untersuchung ist möglich, aber stets optional. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und eine frühe, positive Arzt-Patientin-Beziehung zu etablieren. Derzeit profitieren jedoch nur Mädchen, die bei einer der mehr als 46 teilnehmenden Betriebskrankenkassen versichert sind. Eine Ausweitung auf alle gesetzlichen Krankenkassen ist überfällig.
U+E, U0 und M1 setzen früh an, sind evidenzbasiert und erreichen Familien sowie junge Menschen in Momenten, in denen Prävention am wirksamsten ist. Ihre Wirkung entfalten sie nur dann vollständig, wenn sie nicht von Förderzeiträumen oder Kassenzugehörigkeiten abhängen - sondern als verlässliche Regelangebote dauerhaft und für alle zur Verfügung stehen.
