Kristan Freiherr von Waldenfels, Maximilian Böltl, Daniel Artmann, Konrad Baur, Stefan Ebner, Judith Gerlach, Josef Heisl, Gerhard Hopp, Björn Jungbauer, Andreas Kaufmann, Manuel Knoll, Joachim Konrad, Stefan Meyer, Benjamin Miskowitsch, Martin Mittag, Stephan Oetzinger, Jenny Schack, Andreas Schalk, Werner Stieglitz, Martin Stock, Peter Wachler
Die Staatsregierung wird aufgefordert, die finanzielle Bildung an allen Schularten im Freistaat Bayern deutlich zu stärken. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu einem verantwortungsbewussten und reflektierten Umgang mit Geld, Konsum und Vermögensbildung zu befähigen. Finanzielle Bildung soll deshalb als fester Bestandteil des Unterrichts in allen Schularten - von der Grundschule bis zur beruflichen Bildung - gefestigt und schrittweise ausgebaut werden. Dabei sind Themen wie Haushaltsplanung, Schuldenprävention, Sparstrategien, Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Chancen sowie Risiken digitaler Finanzangebote zu berücksichtigen.
Die Staatsregierung wird ferner aufgefordert, ein Pilotprojekt zur finanziellen Bildung zu initiieren. Im Rahmen dieses Pilotprojekts sollen ausgewählte Schulen aller Schularten in jedem Regierungsbezirk praxisorientierte Unterrichtseinheiten zur finanziellen Bildung erproben und deren Wirkung evaluieren. Auf Grundlage dieser Ergebnisse ist ein Konzept zur flächendeckenden Einführung zu entwickeln.
Da die Schulen bereits heute stark belastet sind, ist es entscheidend, sie bei der Umsetzung zu entlasten. Daher sollen die bestehenden Kooperationsmöglichkeiten von Schulen mit externen Partnern liberalisiert werden, damit eine enge Zusammenarbeit mit lokal etablierten Institutionen, insbesondere aus der regionalen Banken- und Sparkassenlandschaft, den Verbraucherzentralen, ergänzend auch Schuldnerberatung z.B. der karitativen Verbände, sowie weiteren fachkundigen Bildungsträgern, wie bereits existierenden, spezialisierten Start-ups, möglich wird. Diese Partner können praxisnahe, werbefreie und fachkundige Informationsangebote in den Unterricht einbringen und ergänzende digitale Lernangebote bereitstellen, wodurch die Schulen inhaltlich unterstützt und organisatorisch entlastet werden. Auf diese Weise kann finanzielle Bildung qualitativ hochwertig vermittelt werden, ohne die ohnehin stark beanspruchten Lehrkräfte zusätzlich zu überfordern.
Bei jungen Menschen ist bereits seit Längerem ein deutlicher Anstieg der Konsumschulden zu beobachten. Wie gravierend die Entwicklung der Verschuldung ist, zeigt sich auch in der Statistik der Trendstudie -Jugend in Deutschland 2025-, die vom Jugendforscher Simon Schnetzer, dem Sozialwissenschaftler Dr. Kilian Hampel und dem Jugend-, Bildungs- und Sozialforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann in Kooperation mit der Universität Potsdam durchgeführt wurde. Laut dieser repräsentativen Befragung lebt rund ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen mit Schulden - ein besorgniserregender Höchststand und deutlicher Negativtrend. Ursächlich dafür sind leicht zugängliche Ratenzahlungen und Kleinkredite, etwa durch Online-Finanzdienstleister wie Klarna, die mit dem Slogan -Jetzt kaufen, später zahlen- werben und direkt beim Artikel-Kauf als Zahlungsoption erscheinen.
Hinzu kommen finanzielle Herausforderungen, die sich aus dem demografischen Wandel und den damit verbundenen Anpassungen im Rentensystem ergeben, ebenso wie die Notwendigkeit, über Wege und Möglichkeiten des Vermögensaufbaus (u.a. Geldanlage, Wohneigentum) frühzeitig informiert zu sein. Dies liegt daran, dass der demografische Wandel die umlagefinanzierte Rente vor die Herausforderung struktureller Veränderungen stellt: Eine steigende Lebenserwartung und eine sinkende Geburtenrate führen dazu, dass das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern langfristig neu austariert werden muss. Ziel ist es daher, die Stabilität des Rentensystems zu sichern und gleichzeitig junge Generationen zu einem bewussteren und kompetenten Umgang mit privater und betrieblicher Vorsorge zu ermutigen. Dazu zählt ausdrücklich auch die Fähigkeit, die eigenen Haushaltskosten zu steuern, regelmäßig zu sparen und langfristig finanzielle Rücklagen aufzubauen.
Als Lösung dafür ist eine deutliche Stärkung der finanziellen Bildung an allen Schularten im Freistaat Bayern erforderlich, da grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Geld und Vermögensaufbau insbesondere in sozioökonomisch schwächer aufgestellten Familien oder bei Jugendlichen in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen oftmals deutlich seltener vermittelt werden. Ziel muss es sein, junge Menschen jeglicher sozialer Herkunft zu befähigen, finanzielle Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen.
Das Ziel muss es sein, jungen Menschen im Freistaat verlässliche Perspektiven für Wohlstand, Eigentum und Sicherheit im Alter zu eröffnen. Finanzielle Bildung wird dabei zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für ein selbstbestimmtes Leben und eine gesicherte Zukunft, insbesondere für junge Menschen. Fehlende finanzielle Kenntnisse bergen nicht nur für die Einzelnen erhebliche Risiken, sondern auch für die Stabilität und Entwicklung unserer Gesellschaft insgesamt. Zudem kann Bayern durch einen solchen ganzheitlichen Ansatz in Fragen der finanziellen Resilienz und Zukunftsvorsorge junger Menschen bundesweit eine führende Rolle übernehmen und einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Generationengerechtigkeit leisten.
